Das Still-Paradox

Muttermilch ist die beste Ernährung für Babys. Weiß ja jeder. Wird ja sogar in der Werbung für Fertignahrung gesagt. Allerdings kann oder will nicht jede Mutter stillen. Meist mit wirklich plausiblen und nachvollziehbaren Gründen. Diese Mütter werden trotzdem oft von der Öffentlichkeit unter Druck gesetzt. Ich stille meinen Sohn. Dennoch fühle auch ich mich unter Druck gesetzt und werde schief angesehen.

Das liegt nicht daran, dass mein Sohn bereits ein Schulkind wäre, wie bei jener britischen Mutter, die in den vergangenen Wochen durch die Medien ging. Nein, mein Sohn ist gerade erst sechs Monate alt. In den Augen einiger Mitmenschen also spätestens jetzt alt genug, um endlich Brei zu bekommen. Schließlich gibt es Gläschen bereits für Kinder ab vier Monaten.

Los ging es vor einigen Wochen. Die ersten vier Monate wurde ich für die Aussage, dass ich noch stille, beglückwünscht und gelobt. Dann irgendwann wurde vorsichtig die Frage hinterhergeschoben, ab wann ich denn zufüttern wolle. Und inzwischen bekomme ich zu hören: „Du kannst ihn doch nicht ewig stillen“ oder „Irgendwann musst du ihm aber auch feste Nahrung geben.“

Natürlich muss ich das. Irgendwann. Aber nicht mit dem Stichtag nach einem halben Jahr. Schließlich heißen Babys im ersten Lebensjahr nicht umsonst „Säuglinge“. Und laut meines Kinderarztes ist es überhaupt kein Problem, meinen Sohn ein Jahr lang voll zu stillen. Nicht, dass ich das vorhabe. Ich weiß nicht, wie lange ich stillen werde. Mein Sohn wird schon von allein Interesse an fester Nahrung zeigen. Ich vertraue auf ihn und auf mein Gefühl. Es wird mir schon zeigen, wann es sich für mich richtig anfühlt, mit dem Stillen aufzuhören.

Im Moment aber genieße ich es aber einfach, meinem Sohn die Brust zu geben. Gut, nachts um 3 Uhr und dann um 5.30 Uhr wieder nicht ganz so sehr wie den Rest des Tages. Aber generell ist es eine unbeschreibliche Verbundenheit und Vertrautheit zwischen uns. Da ist etwas zwischen uns, das nur wir haben. Windeln wechseln und den Lütten ins Bett kuscheln kann im Prinzip jeder. Ihn auf diese spezielle Art sättigen kann nur ich ihn. Das will ich nicht beenden, nur weil es von mir erwartet wird. Und sollte ich einmal ein zweites Kind bekommen, dann habe ich die Zeit für solch innige Momente bestimmt nicht mehr.

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Ein Gedanke zu “Das Still-Paradox

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