Die erste Möhre

Am Dienstag wird mein Sohn sieben Monate alt und wird noch immer voll von mir gestillt. Über den Druck, dem Kind doch endlich einmal richtige Nahrung zu geben, habe ich bereits in „Das Still-Paradox“ geschrieben. Und wie das mit genügend Druck so ist – irgendwann gibt man nach. So auch ich. Ich war zwar felsenfest davon überzeugt, dass der Sohnemann noch kein Interesse an fester Nahrung hatte. Trotzdem wollte ich ihm wenigstens einmal eine Alternative zur Muttermilch anbieten. Um sagen zu können: „Sorry, ich habe es versucht, aber er mag wirklich nicht.“ Also schnibbelte ich sorgfältig eine Möhre, schnitt sie in fingergroße Stücke und dämpfte sie liebevoll in ein wenig Wasser.

Dazu muss man wissen, dass ich die Idee des „Baby led weaning“ (Blw) sehr charmant finde. Bei dieser Methode, auch „Breifrei“ genannt, werden die Kinder nicht mit Brei gefüttert, sondern bekommen das weiche Gemüse auf einem Teller angeboten und dürfen selber entscheiden, welches Stückchen sie in welcher Reihenfolge essen wollen.

Aus diesem Grund drapierte ich die Möhrenstücke liebevoll auf einem knallblauen Ikea-Kinderteller (aus Plastik, Mutti will ja schließlich für alle Eventualitäten vorbereitet sein), schnappte mir Mann und Kind und ging vorsichtshalber auf die Terrasse (Mutti will ja schließlich auf alle Eventualitäten vorbereitet sein). Gespannt, wie der Sohnemann reagieren würde, drückte der Gatte ihm ein Stückchen Möhre in die Hand. Erst betrachtete der Sohn das unbekannte Ding skeptisch, steckte es sich aber schließlich in den Mund und kaute darauf herum. Als er sogar ein Stückchen abbiss, war ich doch überrascht. Sollte das Kind doch schon feste Nahrung wollen? Hatte ich seine Zeichen so falsch gedeutet?

Dann aber spuckte mein Sohn die Möhre mit einem angewiderten Gesichtsausdruck dem Vater auf’s Shirt (ich erinnere hier an dessen Verdacht, dass es immer nur ihn treffe), würgte auch noch das letzte Fitzelchen Karotte hervor und drehte den Kopf weg. Als der Gatte erneut versuchte, dem Kind ein wenig Möhre zu geben, wand der sich so sehr, dass der beinahe von Papas Arm stürzte. Dann aber bekam er auf einmal glänzende Augen und ruderte begeistert mit Armen und Beinen in Richtung Möhren-Teller. Doch nicht diese hatten seine Aufmerksamkeit geweckt. Es war der blaue Ikea-Plastikteller. Kaum hatte er den in der Hand bzw. im Mund, war die Welt wieder in Ordnung. Und ich überlege nun, wie ich blaue Plastikteller möglichst vitaminschonend zubereite.

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