Hilfe, ich bin ein Hipster!

Ich mochte es zwar selbst kaum glauben, aber auch in unserem kaum 10.000 Einwohner zählenden Ort im hohen Norden gibt es Hipster. Woher ich das so genau weiß? Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen. Und noch schlimmer: Ich fürchte, ich bin einer von ihnen.

Es ist knapp zwei Wochen her, da saß ich mit dem Sohnemann bei herrlichem Sommerwetter an der Badestelle eines unserer vielen Seen. Außer mir waren noch andere Familien mit ihren Kinderwagen da. Schicke Modelle von Emmaljunga, in denen Kinder namens Friedrich, Charlotte, Josephine und Tassilo transportiert wurden. Erst schmunzelte ich und machte innerlich lustig über diese leibhaftigen Klischees einer bildungsbürgerlichen Familie. Doch dann wurde mir schlagartig klar, dass ich auch so bin. Mein Sohn hat als ersten Namen einen zeitlosen Namen aus der Bibel, sein Zweitname ist ein seltener norddeutscher Name (den er allerdings trägt, da es sich um den Nachnamen seines Vaters handelt). In unserer Wohnung steht ein TrippTrapp mit Newborn-Aufsatz und hängt eine Nonomo-Hängematte, in wenigen Wochen wird das Kind dann in einer Karre von PegPerego durch den Wildpark gefahren. Und getragen wird der Nachwuchs natürlich nicht in irgendeiner x-beliebigen Trage, sondern in einem schicken Tuch. Auf Spaziergängen mache ich Halt in einem kleinen Café und trinke gemütlich einen Iced Latte Macchiato mit Sojamilch. Ich bin ein Mittelstands-Hipster-Spießer geworden!!

Wenig später aber geschah etwas, das mein Weltbild wieder gerade rückte. Wir hatten Besuch, Eltern eines süßen kleinen Sohnes, nur wenig jünger als unser. Der kleine Junge trägt einen hübschen skandinavischen Vornamen und hat ebenfalls die Möglichkeit in einer Nonomo zu ruhen. Wir sprachen so über Dies und Das und schließlich auch über das Lieblingsspielzeug unserer Kinder. „Er mag gar nicht mehr ohne seine ‚Sophie, la graffe‘ sein“, berichtete der Vater mir. Sophie würde ich ja bestimmt kennen. Nein, tat ich nicht. Inzwischen weiß ich, dass dieses Tier seit beinahe 50 Jahren das Must-have-Spielzeug eines jeden Kindes in Berlin Prenzlauer Berg oder Hamburg-Winterhude ist. Und da ich Sophie nicht kannte, sehe ich also noch Hoffnung für mich an der Hipster-Front.

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Ein Gedanke zu “Hilfe, ich bin ein Hipster!

  1. Anke

    Sophie schimmelt…
    warum schreib ich das jetzt eigentlich? weiß ich gerade auch nicht genau. Will ich mich über den Schandfleck im Leben eines Hipster in Form einer ungesunden schimmelnden Giraffe freuen. Nö, garnicht, jeder wie er mag solange er mich dabei nicht nervt. Kann man eigentlich überhaupt noch Hipster sein wenn man Kinder hat?
    Fragen über Fragen und der Warnhinweis (genau, Warnhinweis ist ein guter Grund das zu schreiben): Achtung, Sophie schimmelt recht schnell innendrin.

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