Bauchgefühl oder warum ich stolz auf mich bin

Ich bin grade mächtig stolz auf mich. Denn der Sohnemann hat mit etwas mehr als zehn Monaten seine erste Erkältung überstanden. Gut, das ist natürlich noch kein Grund, stolz auf mich zu sein. Aber ich habe es geschafft, in dieser Zeit nicht zum Kinderarzt zu gehen und auch nicht Dr. Google zu Rate zu ziehen. Und das ist mir weiß Gott ziemlich schwer gefallen.

Denn schon als ich noch schwanger war hatte ich mir vorgenommen, keine dieser überfürsorglichen Helikoptermütter zu werden, die bei jedem quer sitzenden Pups des Nachwuchses gleich zum Kinderarzt rennen. Die ersten drei Tage habe ich auch gut durchgehalten, habe die erhöhte Temperatur des Sohnes vor sich hinsimmern lassen und der Versuchung widerstanden, ihm ein Fieberzäpfchen zu geben. Doch dann, es war Freitag Abend (wie sollte es auch anders sein?!), begann das Kind die gerade getrunkene Milch wieder auszuspucken und ich begann mir Sorgen und Vorwürfe zu machen. Hätte ich nicht doch besser zum Arzt gehen sollen? Nun blieb nur noch der Gang in die Klinik. Als am Wochenende weitere Symptome dazu kamen, wuchsen Sorgen und Selbstvorwürfe.

Also schloss ich einen Pakt mit mir. Sollte es ihm am Montag noch nicht besser gehen, dann wollte ich mit ihm zum Arzt fahren. Und wie sollte es anders sein – am Montag wurde es besser, seit Dienstag ist das Kind wieder quitschfiedel.

Vermutlich werde ich in ein paar Wochen über mein Verhalten lachen. Spätestens, wenn der Sohn einmal wirklich krank ist und nicht nur eine leichte Erkältung hat. (Wobei das Kind ein Junge ist und es sich deshalb durchaus um einen Fall der tödlichen Männergrippe gehandelt haben kann.) Jetzt aber, bei der ersten Krankheit meines ersten Kindes, war alles noch neu, ungewohnt und beängstigend für mich. Ich versuche zwar, auf die Zeichen meines Sohnes zu achten und erkenne natürlich, ob es ihm schlecht geht oder nicht. Aber manchmal kommen eben doch Zweifel, ob ich meiner Einschätzung trauen kann. Und genau aus diesem Grund bin ich stolz auf mich. Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört, meinen Beobachtungen vertraut und mich nicht selbst durch planloses gegoogle wahnsinnig gemacht.

Am Montag erzählte ich übrigens einer anderen Mutter davon, dass der Sohn gekränkelt habe und wie standhaft ich war. Sie sah mich nur an und fragte knapp: „Das erste Kind, oder?“ Ich überlege noch immer, was mich wohl verraten hat…

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