Das schönste Jahr meines Lebens

Am Montag ist mein Sohn ein Jahr alt geworden. Und seitdem muss ich andauern daran denken, was vor genau einem Jahr war. Heute vor einem Jahr haben wie beispielsweise den ersten Spaziergang im Kinderwagen mit ihm gemacht – den er komplett verschlafen hat. Dieses erste Jahr mit meinem Kind ist so wahnsinnig schnell vergangen (Eine blöde Weisheit, deren Wahrheitsgehalt mir auch erst als Mutter klar wurde.) Mein Leben hat sich so sehr verändert in den vergangenen zwölf Monaten. Und ich habe mich auch verändert.

Vor der Geburt meines Sohnes hätte ich nicht gedacht, wie wahnsinnig viel Liebe ich empfinden kann. Egal wie genervt oder kaputt ich bin, ein verschmitztes Lächeln meines Sohnes und meine Welt ist wieder in Ordnung. Kitschige Liebesvergleiche sind plötzlich wahr: Es gibt auf der Welt nichts, dass ich mehr liebe als meinen Sohn.

Gleichzeitig hätte ich nie geglaubt, wie viel Angst ich empfinden kann. Alleine der Gedanke daran, dass ihm etwas passieren könnte, raubt mir den Atem. Bei der Vorstellung, mein Sohn könnte irgendwann einmal nicht mehr bei mir sein, ziehen sich meine Eingeweide zusammen.

Aber mir sind in den vergangenen Monaten auch viel profanere Dinge an mir aufgefallen. Ich war früher eine richtige Schlafmütze. Unter acht Stunden Schlaf pro Nacht wurde ich ungnädig und ich habe gerne auch mal einen ganzen Sonntag im Bett vertrödelt. Inzwischen habe ich seit 372 Nächten nicht mehr als vier Stunden am Stück geschlafen, viele Monate lang war es sogar noch viel kürzer. Und ich bin nicht durchgedreht! Natürlich könnte ich mehr Schlaf sehr gut gebrauchen, aber es geht auch so.

Seit der Geburt des Kindes bin ich auch sehr viel effizienter geworden. Ich wundere mich immer wieder, wie viel Haushalt ich in nur 20 Minuten Schlafenszeit des Sohnes schaffe. Gleichzeitig kann ich problemlos sehr viel Zeit bei der verzückten Betrachtung des schlafenden oder spielenden Kindes vertrödeln. Wenn ich dieses friedliche Wesen beobachte, dann scheint die Zeit still zu stehen.

Schon seit meiner frühesten Kindheit bin ich ein Stubenhocker. Ich habe kein Problem damit, mehrere Tage lang nicht das Haus zu verlassen. Ich bin noch immer ein Stubenhocker. Doch seit der Geburt des Sohnes habe ich entdeckt, wie viel Spaß Spaziergänge machen können. Besonders in dem Wildpark bei uns in der Nähe. Und auch viele Erledigungen im Ort mache ich inzwischen zu Fuß mit Kind und Karre – früher undenkbar. Aber das Kind braucht ja frische Luft, also muss auch Mutti raus.

Bei diesen Spaziergängen wage ich mich inzwischen in einem Zustand vor die Tür, in dem ich früher nicht einmal dem Postboten aufgemacht hätte. Ich war nie ein eitler Mensch, aber eine gewisse Grundordnung meines Äußeren war mir schon wichtig. Sprich: An einem Bad-Hair-Day hätte mich niemand vor die Tür bekommen. Tja, inzwischen wurde ich sogar schon mit meinem liebsten Schlabberpulli beim Einkaufen gesichtet. Als Mutter verschieben sich da irgendwie die Prioritäten.

Es war ein aufregendes, anstrengendes, wundervolles, nerviges, erstaunliches, unglaubliches erstes Jahr mit meinem Sohn. Und es war auf jeden Fall das schönste Jahr meines Lebens.

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