Von Grenzen und Aufopferung (Blogparade)

Sonntag, kurz nach 21 Uhr, der Tatort läuft. Der Sohn, seit einer knappen Stunde im Bett, meldet sich und will noch einmal in den Schlaf gekuschelt werden. Wenn ich Glück habe, wacht er erst gegen 23 Uhr wieder auf, vielleicht aber auch schon früher. Hängt ganz davon ab, wann er zuletzt gegessen hat. Hat er fertig getrunken, kuscheln wir wieder eine Runde. Das kann alles in allem gerne mal 45 Minuten dauern und danach ist nicht sicher, ob der Sohnemann auch wieder in seinem Bett oder in unserem Bett einschläft. Was aber auch egal ist, denn spätestens gegen 0.30 Uhr jammert das Kind wieder und möchte, dass Mama und Papa zu ihm ins Bett kommen. So oder so ähnlich läuft ein typischer Abend bei uns ab.

Meine Mutter würde angesichts dieser Auflistung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich solle das Kind nicht so verwöhnen und nicht bei jedem Mucks sofort angelaufen kommen. Sonst tanze mir das Kind irgendwann auf der Nase rum.

Für manchen Betrachter mag das so aussehen. Aussehen, als wenn ich mich aufgebe und nur noch Mutter bin. Kaum noch an mich und zuerst an mein Kind denke. Für mich ist es einfach selbstverständlich. Ich bin da, wenn mein Kind mich braucht. Egal, wie oft, um welche Uhrzeit oder ob ich deswegen vom Tatort nur die Hälfte mitbekomme. So einfach ist die Sache für mich.

Und oftmals auch sehr anstrengend. Natürlich bin ich abends auch mal müde und kaputt und würde lieber auf dem Sofa schlafen, als nach dem Kind zu schauen. Und hätte ich nicht die Hilfe meines Mannes, dann wäre es mir im Laufe des Jahres bestimmt schon oft zu viel geworden. Trotzdem habe ich mich für diese Art der Erziehung entschieden. Denn ich glaube, dass sie die Beste für meinen Sohn ist.

Ich halte nichts davon, das Leben meines Sohnes zu stark zu reglementieren. Das soll nicht bedeuten, dass ich ihm keine Regeln und Grenzen mitgeben werde. Aber so wie ich nicht vorgegeben bekommen will, wann ich Essen darf und wann ich müde zu sein habe, so will ich diese Vorgaben auch dem Sohn nicht machen. Er soll essen dürfen wenn er Hunger hat. Ich vertraue einfach darauf, dass sich das alles irgendwann von alleine einpendelt. Er irgendwann durchschläft.

Ich weiß, dass es noch dauern kann, bis es soweit ist. Mir ist klar, dass es mich noch viel Kraft kosten wird. Aber ich weiß auch, dass ich es schaffen werde. Weil ich einen Mann habe, der mich unterstützt. Weil ich eine beste Freundin und eine Schwester habe, bei denen ich mich einfach einmal ausheulen kann und die nicht von mir erwarten, dass ich die perfekte Mutter bin. Ich denke, dass ist das „Geheimnis“ einer bedürfnisorientierten Erziehung. Denn sie bedeutet nur, dass ich mich nach den Bedürfnissen meines Kindes richte. Aber nicht, dass ich es alleine schaffen muss.

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Ein Gedanke zu “Von Grenzen und Aufopferung (Blogparade)

  1. Hach – das liest sich sooo schön! Auch bei meinem 4-Jährigen nehme ich es in Kauf, abends eine Stunde Einschlafbegleitung zu machen oder nachts noch bei ihm zu schlafen, weil er doch in 90 % der Nächte aufwacht und mit Mama kuscheln will. Sie werden so schnell groß – so klischeehaft das klingt, so wahr ist es auch. In 5 Jahren werden wir uns danach zurück sehnen, mit einem warmen, wunderbar duftendem Kind im Bett zu liegen und zu kuscheln…

    Liebe Grüße!
    Danielle

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