Der Störenfried

Mein Sohn ist inzwischen schon 13 Monate alt und langsam kommen sie. Die Fragen nach dem Geschwisterkind. Doch das wird noch ein wenig dauern. Denn ich habe Angst.
Klar wurde mir das vor einiger Zeit, als mein Sohn friedlich in meinen Arm gekuschelt eingeschlafen war. Er sah so süß und niedlich aus, dass mein Mutterherz einfach vor Liebe überfloss. Und dann fragte ich mich plötzlich, ob in meinem Herzen überhaupt noch Platz für ein zweites Kind wäre.
Ich hätte nie gedacht, wie glücklich es mich macht, Mutter zu sein. Ich liebe es, meinen Sohn zu beobachten, zu sehen wie er sich entwickelt, selbständiger und immer mehr zu einer eigenen kleinen Persönlichkeit wird. Gleichzeitig fühle ich mich so eng mit ihm verbunden. Er ist nicht nur ein Teil von mir, sondern der wichtigste Teil überhaupt, für den ich alles tun würde.
Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich ein zweites Kind möchte. Aber ich habe auch Angst, dass ich dieses Kind als Eindringling empfinden könnte. Würde es meine enge Beziehung zu meinem Sohn stören?
Einer Freundin von mir ging es so. Dabei hatte sie extra mit der zweiten Schwangerschaft gewartet, bis ihr erstes Kind schon drei Jahre alt war. Und trotzdem empfand sie ihr zweites Kind in den ersten Monaten nach der Geburt als Störenfried, der Aufmerksamkeit beanspruchte, die sie nun nicht mehr dem großen Kind geben konnte. Mit fehlender Liebe hatte das nichts zu tun, die liebt beide Kinder gleich und würde keines von beiden hergeben. Trotzdem dauerte es einige Zeit, bis sie das auch so spüren konnte und das schlechte Gewissen den zweiten Kind gegenüber nachließ.
Eine andere Freundin wiederum hatte schon bald nach der Geburt des ersten Kindes das Gefühl, dass da noch jemand fehle. Erst nach der Geburt des zweiten Kindes fühlte sich die Familie für sie komplett an.
Mal abwarten, ob ich vielleicht auch irgendwann so empfinde.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Der Störenfried

  1. kathrinrabenmutter

    Ich kann die Gedanken sehr gut nachvollziehen. Sie haben mich praktisch die gesamte zweite Schwangerschaft hindurch begleitet. Es ist auch nicht nur Angst sondern, so finde ich, gewissermaßen auch UnLust. Ich habe mein erstes Kind so genossen, dass ich auch ehrlich gesagt in der Schwangerschaft teilweise noch nicht wirklich Lust entwickelt habe, meine Aufmerksamkeit für ihn oder von ihm für mich teilen zu müssen. An manch schlechten Tagen habe ich das heute noch, den Gedanken wie „einfach“ alles mit einem Kind war und wie sehr man sich für zwei Kinder doch zerreißen muss. Aber du hast Recht, mit Liebe hat das nichts zu tun, die ist für beide in gleicher Menge da. Ich finde sogar, sie ist seither mehr geworden. Und trotzdem: ich nehme mir einen Nachmittag oder Vormittag die Woche ganz gezielt Babyfrei und unternehme etwas mit meinem großen Sohn. Und diese Stunden, die genieße ich. Ihn beim Spielen ganz genau zu beobachten und nicht vom Baby aus den Gedanken „gerissen“ zu werden. Und auch er genießt die Aufmerksamkeit spürbar. Mit ein paar Inseln, glaube ich, kriegt man diese Sehnsüchte ganz gut hin. Aber dass sie bleiben, auch wenn das zweite Kind da ist, daran habe ich mittlerweile keinen Zweifel.
    Als „Störenfried“ allerdings habe ich den Kleinen noch nicht wirklich empfunden. Eher mal als Nervensäge 😉 Ich jedenfalls glaube und behaupte, dass Geschwister für die ganze Familie, vor allem aber untereinander, ein Geschenk sind. Und dass es sich grundsätzlich immer lohnt, wenn vielleicht auch nicht direkt zu Beginn erkennbar, Kinder in diese Welt zu setzen.
    So, genug Pathos.
    Schönen Sonntag noch 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s