Deja vu

Vergangene Woche habe ich eine Freundin besucht, die erst vor wenigen Wochen Mutter geworden ist. Der Vorteil an Neugeborenen ist ja – abgesehen davon, dass sie so unfassbar niedlich sind – dass man sie ohne Probleme aufs Sofa legen kann, kurz auf Klo gehen kann und nix passiert. Eventuell brüllen sie kurz. Und selbst wenn sie nicht brüllen, so braucht man sich keine Sorgen machen, dass sie grade irgendwelchen Blödsinn anstellen.

Aber zurück zum Thema. Ich war also bei meiner Freundin, deren Wohnung zwar schon nach Kind aussieht, aber eben nach neugeborenem Kind. Unsere Wohnung mit einem bald 19 Monate alten Sohn sieht komplett anders aus. Man könnte auch sagen: kahl. Wo bei meiner Freundin Getränkeflaschen auf dem Boden und ein Teepott auf dem Sofatisch standen, wo vor dem Fernseher hübsche Dekosachen in einer Holzschale drapiert waren und zwei Glasvasen neben dem Sideboard zu sehen sind, da ist bei uns inzwischen gähnende Leere.

Auf dem Couchtisch liegen nur noch ein paar Kekskrümel, seine ursprüngliche Aufgabe als Ablage übernimmt er nur noch spät Abends. Das Fach unter dem Tisch beherbergt keine Zeitschriften mehr (ebenso wie der Zeitschriftenständer, den mein Mann extra für mich anfertigen ließ), sondern fungiert höchstens noch als Garage für den sprechenden Kipplaster. Da, wo früher unser DVD-Recorder stand, lagern jetzt Bilderbücher.

Ein Blick in unser Wohnzimmer genügt und das geschulte Auge erkennt sofort, wie groß unser Sohn inzwischen ist beziehungsweise wie weit er mit seinen Affenarmen langen kann. Und an was er ran kommt, das muss unbedingt runtergeworfen und untersucht werden.

Also bestand ein großer Teil meines Besuches bei meiner Freundin darin, aufzuspringen und im letzten Moment etwas vor dem Sohn in Sicherheit zu bringen. Auf einmal hatte ich ein Bild vor Augen. Ich erinnerte mich an die Zeit vor etwa einem Jahr. Damals, als die Fernbedienungen auf unserem Couchtisch noch ordentlich nebeneinander auf einer Unterlage lagen. Als mein Laptop den ganzen Tag über auf dem Tischchen neben dem Sofa stand. Damals flitzte meine beste Freundin ihrem Anderthalbjährigen hinterher und räumte meinen Kram eine Etage höher.

Später am Abend schrieb ich ihr von diesem Deja vu. Ihre trockene Antwort: „Freu dich schon einmal darauf, wenn der junge Mann sich einen Hocker als Hilfsmittel schnappt.“ Ich kann es kaum erwarten.

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